Freitag, 18. Juli 2014

23.06. Tag 316 Gedanken

An dem Tag wollte ich so langsam echt mal meine Flugdaten haben... Cultural Care ist da ja eigentlich immer ziemlich fix, aber ich war schpon sooo gespannt darauf, dass ich ganz oft meine Mails checkte- fast schon so oft wie, als ob ich auf einen Familienvorschlag innerhalb meiner Matchingphase wartete. Da sitzt man echt auf heißen Kohlen.
Außerdem war ich an dem Tag richtig dolle genervt, weil ich einfach keine Lust mehr hatte auf die ganze Planerei rund um sein Au Pair Leben. Ich dachte darüber nach, wie es wieder in Deutschland sein wird, wenn man nicht mehr gezwungen ist, ständig, aber wirklich stäääändig, etwas zu erleben. Mich wundert es wirklich, dass ich nicht schon Augenringe bis zum Boden habe... Ich bekam ab dieser Zeit wirklich kaum noch genug Schlaf, auch nicht am Wochenende, weil man geraaade das Wochenende nutzen woltle für Abenteuer, Freizeit generell und was auch immer... Vor allem dann auch DIE alltäglichen Dinge wieder tun, die man halt vorher kannte. Sei es bei meiner Schwester oder bei meinen Eltern zu Hause den berühmten Sonntagskaffee mit Kuchen oder Stückchen. Das Leben hier mag ich auch- Spazieren gehen usw. - man kennt seine Straßen, seine Nachbarschaft, seine Lieblingssachen und das ist auch so interessant festzustellen in dem Jahr. Aber so langsam fing ich an auf mein zu Hause in Deutschland liebzuäugen. Aber halt, Stopp! Eigentlich nicht... es ist schwer zu erklären, aber ich will mein eigentliches Leben, was ich vor meinem Au Pair hatte, eigentlich gar nicht mehr. Das klingt für alle meine Leute in Deutschland vielleicht gerade ziemlich merkwürdig und erschütternd, aber damit ist vor allem meine Persönlichkeit gemeint und auch mein Alltag, den ich hatte. Es ist schwer zu erklären, aber ich mag einfach nicht mehr so sein, wie ich vorher war. Also, da muss ich mir ehrlich gesagt schon gar keine große Mühe geben, denn das bin ich eh nicht mehr. Und das ist auch gut so. Ich kann es nicht genau erklären, aber ich bin vieeeel, vieeeel lockerer geworden. Mir sind sooo sooo viele Dinge egal geworden, über die ich mich noch vor 2 Jahren maßlos aufregen konnte. Mir ist egal, wie mein Zimmer aussieht. Ich mag die Unordnung, die ich manchmal habe und bis es dann zu viel ist, räume ich auch wieder auf- so ist das gemeint. Ich mache mir einfach nicht mehr so viel draus. Genauso ist es, wie ich über andere Menschen denke... Freunde, Familie, über wen auch immer. Ich möchte, wenn ich zurück nach Hause komme unabhängig sein und mein Leben leben... Jaaa, das habe ich vielleicht vorher auch schon,aber doch irgendwie anders. Ich möchte meine schlechte Eigenschaften und schlechte Erfahrungen hinter mir lassen und diese Erfahrungen einfach nur im Hinterstübchen lassen, damit ich Leuten, die einen Rat brauchen, helfen und ermutigen kann. Das ist jetzt mal ziemlich zusammenfassend und grob gesagt, wie ich mir das Leben nach Amerika vorstelle, aber wer mich gut kennt, weiß bestimmt wie ich das meine. Ich habe hier vor allem gelernt seine Zeit zu nutzen- mit sinnvollen Dingen und nicht darauf zu achten, dass man versucht seinen Tag irgendwie so perfekt es geht zu gestalten. Es ist egal, wenn dein Zimmer aussieht, als ob die Bombe eingeschlagen hat, wenn du gerade auf dem Sprung bist und nach deiner Arbeit noch eine Freundin triffst und nicht aufräumst, damit du pünktlich bist. Es ist ebenso egal, wenn du keine Zeit hattest Lidschatten aufzulegen, wenn du dich mit einer Freundin auf einen Drink triffst. Wichtig ist, ihr seid zusammen und habt ne schöne Zeit miteinander. Ebenfalls egal ist es, wenn man halt mal ein paar Tage lang nur 6 Stunden schläft, dafür aber sagen kann, ich habe meine Zeit sinnvoll genutzt und musste noch dies und jenes machen... ebenfalls andersherum ist das auch vollkommen in Ordnung- 10 Stunden schlafen und mal nicht so viel machen.... es ist DEIN Leben und du bist dafür zuständig, was du draus machst! Außerdem habe ich hier gelernt, dass nicht immer alles perfekt sein muss und man sich nicht zu sehr verrückt machen soll. Damit meine ich jetzt nicht "yolo" im Sinne von: Alles ist scheiß egal, sondern das man stets bestrebt sein, aber man auch mal runter kommen sollte. Viele Wege führen nach Rom, wie man so schön sagt. Ich weiß nämlich, dass ich mich im leben vieeel zu oft verrückt gemacht habe, wegen nichts und wieder nichts. Man kommt immer irgendwie ans Ziel, auch über Umwege.
Vor allem habe ich mir in Deutschland ganz fest vorgenommen weiterhin mein Leben besser zu nutzen- ich bin absolut keine Langschläferin mehr! Klar, man muss ja aufstehen, wenn man zur Arbeit muss morgens, aber damit sind auch die Wochenenden gemeint. Ich werde, wie auch hier, den Umkreis meiner Stadt versuchen viel besser wahr zu nehmen und kennen zu lernen. Hier fotografiert man jeden Mülleimer, so nach dem Motto, und in seiner eigenen Stadt gibt man nichts drauf. 
Am Anfang dieses Eintrages habe ich gesagt, dass die ständigen Planereien mir auf den Senkel gehen, ja das stimmt, aber irgendwie ist das auch schöner Stress, den ich hier irgendwie schon so dolle gewohnt bin, dass es andererseits auch unheimlich viel Spaß macht ständig gestresst zu sein. Deshalb habe ich ja auch erklärt, dass es nicht schlimm ist, wenn man mal 10 Stunden schläft, obwohl ich wahrscheinlich gar nicht mehr weiß, wie das geht, haha.
Ich hoffe es ist jetzt vor allem für meine Familie und Freunde in Deutschland verständlich rüber gekommen, was ich damit gemeint habe, dass ich nicht mehr so sein will, wie früher. 
Ich bin stolz auf mein Hier und Jetzt und wenn ich mir vorstelle, wie wenig ich mein Leben davor eigentlich genutzt habe, ist es echt erschütternd, dass ich jetzt erst gelernt habe Ich zu sein und mich selbst hier erst kennen gelernt habe. Ich will auf keinster weise undankbar sein für alles, was ich in 23 Jahren alles erlebt und gesehen habe, aber dieses Jahr hier, ohne Familie und ohne Freunde aus Deutschland, die man schon länger kennt, hat mir endlich das vermittelt, was ich schon sooo lange gebraucht habe... vielleicht kann man es auch einfach "Entdeckungswahn" nennen, der sich bei mir hier entwickelt hat, haha. 
Ich freue mich schon auf dich, mein neues altes Leben in Deutschland! :)
Sooo, genug psychisches Gebrabbel von mir.

Zum Taaaag!
Normaler Arbeitstag gehabt und Hannah abends einen Krankenbesuch abgestattet. Die hatte sich am Vorttag ja nen Sonnenstich geholt und ihre hm hat sie nicht arbeiten gelassen. Die Sau hatte eh nur noch so wenige Tage zu arbeiten, haha. Ich bin erstmal los und habe meinen Scheck eingezahlt, dann ging es zu Giants die geilen Brownies aus der durchsichtigen Box für 4,99$ holen. Glaube Lena hatte die mal entdeckt. Die sehen soo sooo scheiße aus, haha, aber soooo gut! Wirklich! Noch nieeee so gute Brownies gegessen! Noch was , was ich vermissen werde- naja meine Figur dankt es mir in Deutschland, wenn ich die erstmal nicht mehr essen kann.
Hannah hat sich mega darüber gefreut und so haben wir ein paar zusammen gegessen und bisschen gequatscht, bis wieder das Gelaber anfing mit Job und Zukunft und blaaa... Hannah ist dann auf die Seite von Lufthansa (möchte sich ja als Luftverkehrskauffrau in Frankfurt bewerben) und der intelligente Mensch hat sich eben mal aus Spaß einen Account bei Lufthansa gemacht, wo man sich später halt bewirnt. sprich seine Zeugnisse einscannt, Bewerbungs- pder Motivationsschreiben niederschreibt usw. Plötzlich bemerkten wir rechts oben auf ihrem Profil, dass da Timeline angezeigt war in roter Schrift. Irgendwas mit "9 Tagen"... Das hieß auf gut Deutsch, Hannah hatte nun noch 9 Tage Zeit die Bewerbung abzuschicken! :O Wir waren erstmal total geschockt, weil Hannah sich keinen Meter vorbereitet hat und auch keine Dokumente hatte oder Sonstiges. Wir haben uns erstmal totgelacht, wussten dann aber, dass es jetzt echt ernst ist. Schnell wurde der besten Freundin in Deutschland ein Hilferuf ausgesendet, was aber nichts half, weil es dort mitten in der Nacht war und normale Menschen um diese Uhrzeit schlafen. Ich war etwas skeptisch, dass das zu schaffen ist, aber sie hatte ihren richtigen Namen angegeben und auch ihre normale E Mail Adresse, was hieß, sie konnte keinen Neustart machen und sich nochmal irgendwann anmelden und ein neues Profil erstellen. Was ein Erkebnis sag ich euch und ich war live dabei. :D

XOXO Irina

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen